Um 6:45 trafen wir uns ein wenig müde, aber voller Vorfreude vor der RGS, wo bereits zwei Reisebusse auf uns warteten. Ungefähr eine halbe Stunde später, konnten wir endlich unser Gepäck einladen und in den Bus steigen. Die 11-stündige Fahrt in den Norden verging dank Musik und Spiele schnell und schon bald standen wir im windigen Harlingen.

Die Boote wurden für die Klassen aufgeteilt und nach einem kleinen Problem bei der Zimmerverteilung konnten wir uns in den kleinen Räumen der „Johanna Engelina“ einrichten. Am Abend erkundeten wir noch das Hafenstädtchen Harlingen und kauften Sachen für die nächsten Tage ein. Die erste Nacht war angenehm, trotz der kleinen Zimmer und den winzigen Betten, und wir schliefen gut. Am nächsten Tag begrüßten uns unser Skipper Laurenz und sein Matrosin Jule beim Frühstück und brachten uns anschließend die Grundlagen des Segelns bei. Und dann segelten wir los in das Wattenmeer, ließen Harlingen hinter uns und setzten Segel Richtung der Insel Terschelling. Es war kalt und der Wind ließ Omars Haare im Wind wehen, doch Jule hielt uns mit kurbeln, ziehen und nachlassen warm, bis wir auf der Insel ankamen. Dort begannen die einen mit Essen vorbereiten und die anderen verließen das Boot und erkundeten die Insel. Der Abend brachte einen wunderschönen Sonnenuntergang mit sich und wir begaben uns auf den Berg hinter dem Leuchtturm, wo der farbenfrohe Himmel sich über die Dünen der Insel erstreckte.

Den späteren Abend verbrachten wir entspannt auf unserem Boot, einige besuchten den Club der Insel und manche genossen den ersten Abend in dem kleinen Städtchen der Insel.

Die Sonne strahlte warm durch die Luken unserer Kajüte und weckte uns zu einem neuen Tag auf dem Wasser. Wir segelten nach dem Frühstück recht spät los, die weißen Segel zeichneten sich vor dem strahlend blauen Himmel ab und wir lagen auf dem Deck in der Sonne oder ließen Musik laufen. Wir segelten entlang einer Sandbank, als plötzlich Seehunde unseren Blick fingen. Sie lagen über der Spitze der Sandbank verteilt und sonnten sich faul auf dem warmen Sand. Als wir die Sandbank umrundeten, und die Seehunde hinter uns ließen, konnten wir am Horizont schon die sandigen Strände unseres neuen Zieles erkennen: Vlieland, welches wir dank vorteilhaften Windes auch ziemlich schnell erreichten.

Auf Vlieland angekommen liehen wir uns Fahrräder aus, womit wir zu dem Strand auf der andere Inselseite fahren konnten. Obwohl einige Probleme hatten sich mit ihren Fahrrädern vertraut zu machen, erreichten wir alle früher oder später den Strand, wo uns ein peitschender Wind erwartete. Dennoch stürmten wir in die Wellen und genossen die Zeit an der Nordseeküste. Um 18:00 begaben wir uns auf den Rückweg, denn es gab Abendessen auf dem Schiff. Danach verteilten sich alle, auch die Lehrer machten sich auf unserem Boot einen schönen Abend, wobei auch das ein oder andere Bier aus unserem Vorrat verschwand.

Der nächste Morgen startete früh, denn wir hatten vor den weiten Weg durch die Schleuse ins Iselmeer zu segeln und dort in Makkum anzulegen. Die Sonne schien warm und der Wind wehte vorteilhaft, wir zogen die Segel hoch und segelten los, doch die Freude würde nicht lange halten, denn schon bald hatte uns eine plötzliche Winddrehung auf eine Sandbank gespült, trotz aller Mühe von Jule mussten wir schließlich von einem Hilfsboot aus Terschelling von der Sandbank gezogen werden. Obwohl wir dann weitersegelten landeten wir schon bald auf der nächsten Sandbank, von der wir aber selber herunterkamen. Als die Ebbe und schließlich auf eine dritte Sandbank strandete, war die Stimmung im Eimer und wir gaben die Hoffnung auf vor 21:00 noch am Hafen in Makkum anzukommen. Unsere einzige Möglichkeit war auf die Flut am Abend zu warten, die uns hoffentlich vom Grund heben würde. Der Gedanke auf einem Schiff mitten im Meer stundenlang zu warten begeisterte wenige, doch da wir keine Wahl hatten, entschieden wir die Zeit genussvoll rumzubringen und sonnten uns auf dem windigen Deck oder hörten laute Musik, da niemand im Umkreis war, den das stören könnte. Schließlich trug die heranschreitende Ebbe die Reste des Wassers weg und einige kletterten vom Schiff, da man nun knietief im Wasser stehen konnte. Wir hatten unseren Spaß mit Muscheln, Wasser und Schlamm und konnten später sogar wattwandern gehen.

Schließlich kam die Flut wieder und spülte über unsere Fußspuren hinweg, mit ihr kam auch die Hoffnung bald lossegeln zu können, um noch in Makkum ankommen zu können, doch leider standen die Gezeiten wohl an diesem Tag nicht auf unserer Seite, (zumindest dachten wir das dann noch, im Nachhinein sind wohl doch die meisten froh, wie es gelaufen ist), denn auch diese Flut wollte unser Boot nicht anheben, und so sahen wir schliesslich ein, dass wir die Nacht an Ort und Stelle auf dem offenen Wattenmeer verbringen würden.

Die Nachricht traf auf gemischte Reaktionen, doch als der Himmel anfing sich gelblich zu färben und damit den Sonnenuntergang ankündigte, vergaßen wir unsere Sorgen, hockten uns an Deck und warteten gespannt auf das Bild, das sich uns bald bieten würde. Schon bald war es so weit, einige verfolgten ab 21:00 das Halbfinalspiel der WM England – Argentinien auf einem Laptop, andere saßen in ihren Schlafsäcken und beobachteten die Farben am Horizont, und anderer wiederum redeten gelassen im Licht der untergehenden Sonne.

Ungefähr so verblieben wir bis auch die letzten Sonnenstrahlen verschwunden waren und die Leuchttürme vom Festland ihre Warnsignale übers Wasser sendeten. In der Ferne konnten wir den großen Leuchtturm von Terschelling erkennen, hinter dem wir vor nur wenigen Nächten den Sonnenuntergang bestaunt hatten. Die Kälte und die nächtliche Feuchte schickte uns schließlich unter Deck (Bzw. Die Lehrer) und wir verbrachten einen sehr unterhaltsamen späten Abend im Aufenthaltsraum, auf dessen Bänken viele anschliessend im angenehmen Schaukeln der Wellen einschliefen.

Der Morgen begrüßte uns mit einem schönen Sonnenaufgang und glücklicherweise gute 30 cm mehr Flut mithilfe der wir endlich von der Sandbank angehoben wurden und lossegeln konnten. Leider konnten wir zeitlich nicht mehr nach Makkum segeln und damit auch die Schleuse vom Wattenmeer und Iselmeer nicht passieren, und segelten auf direktem weg zurück nach Harlingen, wo wir auch die Boote unserer neidischen Parallelklassen wieder trafen.

An dem Tag putzten wir noch mit Jule das Deck, räumten das Boot auf, gingen einkaufen, und erledigten noch einzelne Sachen. Den letzten Abend feierten wir nochmal ordentlich, sinnierten über die Woche und ließen den Abend mit viel Gelächter und der ein oder anderen Träne ausklingen.

Mit den Möwen erwachten auch wir an unserem letzten Tag, packten schweren Herzens unsere Taschen, räumten die Schränke aus und sammelten unser Gepäck an der Hafenmauer. Wir verabschiedeten uns von Jule und Laurenz und stiegen schließlich in den Reisebus ein.

Man merkte an der Stimmung im Bus, dass es die Heimfahrt war, die meisten schliefen übermüdet und nur wenig Gemurmel war zu hören, erst als es nach einer Ewigkeit draußen zu dämmern begann, stieg die Stimmung und wir beendeten unsere Klassenfahrt mit lauter Musik und Gesang.


Robert-Gerwig-Schule Singen
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