Robert-Gerwig-Schule, Singen
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Südkurier 05.02.2010:

Schule: Wie war das vor 100 Jahren?



So könnten sie ausgesehen haben: Schüler im Jahre 1910 – nachgestellt von der Wirtschaftsschulklasse 2 BFW 2/2 der Robert-Gerwig-Schule Singen mit Schulleiter Manfred Hensler (links).
Foto: Werner Gültig

Singen - Wie war das Leben vor 100 Jahren? Die Klasse!-Reporter haben eine Zeitreise ins Jahr 1910 unternommen und berichten von ihren Erkenntnissen, die sie beim Studium der Vergangenheit gewonnen haben.

Die Schule
„Jeder Jugendliche weiß, wie eine typische Schule und ein typischer Schultag in einer heutigen, modernen Schule aussehen. Für uns ist eine gemischte Klasse, das heißt Jungen und Mädchen zusammen, das Normalste in der Welt. Und es ist natürlich auch für die heutigen Schüler völlig normal die Beine zu überschlagen und lässig auf dem Stuhl zu sitzen. Doch für die Schüler von 1910 wäre das undenkbar gewesen.

Es war durchaus üblich, dass die Lehrer Gewalt gegen die Schüler anwendeten. Das war per Gesetz erlaubt. Stockschläge – vor allem auf die Handflächen (Tatzen) - oder Einzelhaft im „Karzer“ waren an der Tagesordnung. Damals dachte man, Gewalt würde Disziplin in die Schulklassen bringen. Ein Schüler musste damals gerade sitzen und der Kopf musste ebenso gerade sein. Die Hände mussten ständig auf dem Tisch bleiben. Der Infokasten zeigt eine typische Schulordnung, die uns heutzutage lachhaft streng erscheint. Wildes Herumrennen während der Pausen war untersagt. Allerdings sollten einige Regeln auch heute noch selbstverständlich sein, weil sie für einen erfolgreichen Unterricht einfach unabdingbar sind.

Damals gab es drei Schularten: die Volksschule, Realschule und das Gymnasium. Erst seit der Jahrhundertwende hatte man begonnen, berufliche Schulen zu gründen, weil man bei den Lehrlingen fehlende Allgemeinbildung festgestellt hatte.

In der Volksschule, die man mit unserer Grund- und Hauptschule vergleichen kann, wurden Mädchen und Jungen noch zusammen unterrichtet. Jedoch durfte kein Mädchen neben einem Jungen sitzen, da dies früher als unanständig galt. Nach der Volksschule, die man in der Regel mit 14 Jahren verließ, bestand die Möglichkeit eine Lehre zu machen oder als ungelernter Arbeiter zu beginnen. Auf dem Gymnasium waren meist nur Schüler und Schülerinnen aus den „besseren Schichten“ oder solche, die „gesponsert“ wurden. Für den Schulbesuch musste nämlich Schulgeld bezahlt werden, was viele Familien nicht aufbringen konnten.

Mädchen gingen oft nur bis zu ihrem 16. Lebensjahr zur Schule. Danach sollten sie lernen, wie man einen Haushalt führt.

Dieser kleine Einblick ins Schulleben von 1910 hat hoffentlich Spaß gemacht. Wenn Sie die heutigen Bedingungen mit den damaligen vergleichen, können Sie selber entscheiden, ob Sie lieber heute oder 1910 zur Schule gegangen wären.“

Die Autoren: Jennifer Fallah, Johanna Weissmann, Maria Komor

Die Liebe
„Wir alle wissen, wie es ist, wenn ein Jugendlicher heute allmählich erwachsen wird, sich zum ersten Mal verliebt, seine Sexualität entdeckt und die ersten Beziehungen eingeht. Doch wie war es früher, damals um 1910?

Im Laufe unserer Projekttage konnten wir uns anhand von vielen Quellen, zum Beispiel alten Büchern und Liebesbriefen, einen Überblick verschaffen.

Damals herrschte Strenge und Disziplin – so viel mehr als heute. Das höchste Gebot war, den Eltern Gehorsam zu leisten.

Besonders als Mädchen hatte man sich an Sitten und Gebräuche zu halten, man sollte ein Beispiel an Dankbarkeit und Demut sein. Damals schätzte man Frauen, die sittsam, freundlich, gehorsam, still, gottesfürchtig, fleißig und züchtig waren. Frauen, die klug und talentiert waren, begegnete man eher mit Vorsicht.

Man musste in jungen Jahren Selbstbeherrschung und Disziplin lernen und sein Temperament zügeln, denn Leidenschaft galt als ein Übel.

Verliebte sich ein Mann, so schrieb er seiner Angebeteten Liebesbriefe. Der Mann wandte sich dann an den Vater der Frau und hielt um ihre Hand an. Dabei spielte die gesellschaftliche Stellung eine wichtige Rolle. Partnerschaften oder Beziehungen vor der Ehe gab es damals selten. So hatten die Paare auch, anders als heute, nicht die Gelegenheit, sich richtig kennenzulernen. Doch war man erstmal verheiratet, gab es kein Zurück mehr: Scheidungen gab es kaum und man trennte sich auch nicht, aus Angst vor der Gesellschaft und vor Gott.

Können Sie sich vorstellen, so zu leben?“

Die Autoren: Rojda Sari und Kübra Kabak

Die Freizeit
„Peter ist ein junger Mann, der im Jahr 2010 lebt. Vormittags geht er zur Schule, nachmittags hat er meistens frei und Zeit für viele andere Dinge. Natürlich macht Peter nach der Schule Hausaufgaben und er hilft seinem Vater dabei, den Schuppen zu lackieren. Trotz allem hat er noch viel Zeit für sich: zum Fußballspielen, für seinen Nebenjob, um sich mit seinen Freunden zu treffen, ins Kino zu gehen und natürlich – um Party zu machen.

Otto ist ein junger Mann, der um 1910 lebt, also hundert Jahre vor Peter. Auch er geht vormittags in die Schule und hat nachmittags meistens frei. Doch was tut Otto nun in seiner Freizeit?

In vielen Aspekten unterscheidet sich seine Freizeit gar nicht so sehr von Peters: Auch er müht sich mit den Hausaufgaben, hilft seinem Vater und trifft sich mit seinen Freunden. Da die Schule um 1900 einiges strenger war und sich durch Disziplin und Gehorsam auszeichnete, muss Otto viel lernen. Aber auch er spielt, genauso wie Peter, gerne Fußball. Viele Dinge die Peter gerne macht kann Otto natürlich nicht tun. Zwar gibt es um 1910 auch schon die ersten Kinofilme, aber mit den heutigen Filmen mit Surround Sound und tollsten Spezialeffekten hatten die nicht viel zu tun. Die Filme damals liefen in Schwarzweiß und ohne Ton – sogenannte Stummfilme. Die Auswahl an Filmen war damals auch viel geringer. Natürlich gab es damals auch noch kein Fernsehen oder Computerspiele, um die Freizeit zu verbringen – aber Otto spielt oft mit seinen Geschwistern Brettspiele – 1910 kam das bis heute sehr bekannte Spiel „Mensch ärgere dich nicht“ auf den Markt.

Ottos Leben ist wohl nicht ganz so unbeschwert wie das von Peter, denn außer bei einem der seltenen Volksfeste gehören Party machen und feiern nicht zu seiner Freizeit.“

Die Autoren: Falk Heger, Alexander Hoffmann, Alexander Schander und Patrick Brixner