Robert-Gerwig-Schule, Singen
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Abiturientenrede von Matthias Wanner WG 13/5
[Bilder vom Abiball]

Ich könnte jetzt eine Rede anfangen wie sie alle immer anfangen:eine nette Begrüßung für die Gäste,ein großes Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben, dass wir heute gemeinsam einen wundervollen Abend verbringen dürfen, für das bestandene Abitur und erfolgreiche drei Jahre ein Lob auf Schüler und Lehrer (und ein Dank an unsere Eltern, die wir natürlich nicht vergessen wollen)…

Als ich das letzte Mal vor dreihundert Menschen reden sollte, war das schon ein komisches Gefühl - heute sind wir doppelt so viele, sodass es mit Sicherheit noch etwas aufregender wird… Herr Weinbeer hat gemeint, dass ich Sie nicht enttäuschen würde – ich wünsche uns, dass er damit Recht behält.
Ich habe mir lange überlegt, wie es wäre, die Abschlussrede halten zu dürfen und als ich tatsächlich gefragt wurde, wusste ich ehrlich gesagt nicht, was ich Ihnen und vor allem Euch heute Abend überhaupt sagen soll. - Daher sage ich einfach wie es ist:

Die Glücklichen von uns haben bereits seit Silvester ihre festen Anstellungsverträge und ihre Zusagen in der Tasche.
Einige sind dabei ein Studium und ihren weiteren Weg zu planen.Manche gehen ins Ausland und wollen die Welt kennen lernen.Gerne würden wir wahrscheinlich alle als Millionär anfangen, damit nichts mehr schief gehen kann – das System haben wir ja schon durchschaut: „Nur die Harten kommen in den Garten!“ Unser Abi-Motto sagt es und wir glauben fest daran, denn wir werden die Harten sein!

Wir alle sehen raus in die Welt, eine Welt, die uns so viele Geschichten erzählen kann! Klar, sie alle zu hören, ist nicht möglich... aber schon ein klein bisschen zuhören und wir erfahren mehr, als wir uns vorstellen können!
Es gibt langweilige Geschichten, aber auch richtig spannende. Manche Geschichten finden wir an der Oberfläche, manche nur im Verborgenen. Einige verbreiten sich rasend schnell, andere verlassen nie einen bestimmten Personenkreis.

Diese Geschichten gehen auch uns an, denn darauf werden wir aufbauen. In dieser Welt und zwischen all den Geschichten suchen wir nach der Freiheit, unsere Träume zu verwirklichen. Denn, Träume haben wir – wie die Welt aussehen soll und wie wir darin unser Leben gestalten… denn es ist unsere Zukunft!

Aber wie können wir länger daran glauben, unsere Träume wirklich leben zu können?
Wenn ich mich bei uns umschaue, dann sehe ich wie wir versuchen zu flüchten:
einige fliehen in die surreale Wirklichkeit oder mit ihrem Computer in animierte Scheinwelten, mit denen es sich verhält wie mit einem Buch.Einige fliehen sich in enge Freundschaften, für die sie ihre ganze Kraft aufbringen, was lobenswert ist. Auch da versuchen wir, mit Freunden eine kleine Welt aufzubauen, um uns von der realen Welt abzuschirmen.Einige sind schließlich zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um noch einen Gedanken an das Große Ganze zu verschwenden. Kaum von der Schule zu Hause, stürzen sie sich in eine Aktivität nach der anderen, planen, organisieren und sind ruhelos.

Woran aber können wir uns halten?

Wir sehen unsere Eltern, unsere Trainer, unsere Lehrer – ist es das? Manche glauben, unsere Eltern denken in erster Linie ans Geld, dabei versuchen sie uns damit eine Zukunft aufzubauen, die ihnen vielleicht verwehrt wurde. Oder sie wollen wenigstens, dass wir die gleiche Chance bekommen, die sie gehabt haben.
Für ihre Sorgen und Mühen, sollten wir uns heute Abend bedanken…

Trainer denken in erster Linie ans Gewinnen, weil es so einfach ist, über den Sieg den Rest zu vergessen und auf einer Welle der Euphorie durch das Leben zu gleiten.

Und unsere Lehrer? Die meisten von ihnen waren auf der Suche wie wir es heute sind, nun sind sie älter geworden. Sie haben studiert, sind sogar an die Schule zurückgekommen, haben teils Familien gegründet. Sie opfern sich auf und versuchen immer wieder aufs Neue Schülern wie wir es waren etwas beizubringen, damit auch sie ihren Weg finden. – Und wir bewundern sie dafür. Dafür, dass sie jeden Tag in die Schule kommen und sich Mühe geben.
Aber auch sie können uns nicht auf alles vorbereiten, auch sie haben nicht auf jede Frage eine Antwort.Man sagt, Kinder seien das Kapital der Zukunft – und ich sage: unsere Lehrer sind die Schatzmeister.

Ist es nicht auch so, dass die Jugend von heute benachteiligt ist? Es ist viel schwerer geworden, seinen eigenen Weg zu finden. Genauso ist es schwierig, Menschen richtig kennen zu lernen, weil sie meist eine Maske tragen.
Was ist damit gemeint…?

Schaut euch an! Tun wir nicht immer wieder das, was alle schon immer getan haben? Versuchen wir nicht immer wieder alle Dinge neu zu erfinden? Trägt nicht jeder von uns eine Maske, die wir uns von anderen diktieren lassen?
Wir sind nicht immer das, was wir zur Schau tragen oder das, was wir versuchen darzustellen.
Wir wechseln die Maske je nach Ort, Zeit und Umstand, je nach Zuschauer und Erwartung. Was haben wir noch an unseren Beziehungen, Bekanntschaften und Freundschaften, wenn wir - genau wie unser Gegenüber - nur eine Maske sehen?
Wir sind es nicht mehr selbst, weil wir nicht den Mut haben, unser eigentliches Gesicht zu zeigen.

Wir sind keine Stars auf der Kinoleinwand oder auf der Titelseite der Magazine. Wir müssen nicht zu allem freundlich lächeln und jedem genau das erzählen, was er von uns erwartet. Wir sind die neue Generation, - wir müssen die Regeln bestimmen, weil es unsere Zukunft sein wird!

Wenn wir uns umsehen, entdecken wir: es gibt Vorbilder! Manchmal sind es Eltern, manchmal sind es Mitschüler und manchmal sind es Lehrer.
Für mich war es Frau Kaufmann. Ihr Unterricht konnte manchmal ganz schön stressig sein, aber niemand hat mehr Einsatz als Frau Kaufmann gezeigt. Auch wenn manche daran zweifelten, hat sie mit jedem von uns gekämpft und uns gezeigt worauf es ankommt. Dankeschön…
Auch Herr Kleiner. Er tat zwar manchmal etwas streng, aber das schönste war, er hat jedem zugehört. Egal mit was für Fragen und Problemen wir zu ihm kamen, hat er sich die Zeit genommen und mit uns eine Lösung gesucht.
Und auch Herr Weinbeer, der uns Schüler immer wieder gerne provozierte um uns anzutreiben. Und doch hat er immer an uns geglaubt. Er hat uns damit beigebracht, was auf keinem Lehrplan steht: ein gesundes Selbstvertrauen und dafür einzustehen, woran wir glauben.
Danke an Sie alle…

Wenn wir uns weiter auf die Suche machen, werden wir wahrscheinlich noch viele andere finden – jeder von uns jemand anderen. Und wir werden immer wieder neue Qualitäten an ihnen entdecken, die wir nicht immer gleich erkennen.

Es braucht Zeit und es braucht Mut auf diese Suche zu gehen, denn wir müssen versuchen hinter die Masken sehen und jeden als den Menschen erkennen, der er wirklich ist.
Haben wir jemanden gefunden, ist es besser als jeder Sieg. Es sind Menschen, die uns helfen, die uns verstehen und denen wir vertrauen können.Der Weg zu diesem Ziel ist schmal, sodass wir ihn alleine gehen müssen, aber er führt immer zum Ziel, wir müssen ihn nur beharrlich weitergehen!

Meine Botschaft für heute ist:
seid offen für die Geschichten der ganzen Welt, denn das Leben besteht aus Geschichten! Versucht hinter die Masken zu schauen! Die Vorbilder sind mitten unter uns, wir müssen sie nur finden! Glaubt an Euch und an das, was Ihr erreichen wollt, denn Ihr könnt es erreichen!
Dass es eine Zukunft gibt, steht außer Frage – jetzt ist es an uns, diese zu gestalten!

Als Abschluss bleibt mir nur ein bescheidenes Dankeschön – an unsere Eltern und an unsere Lehrer!

Vielen Dank